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El Calafate liegt ca. 3h mit dem Bus südlich von Chaltén. Mitten im Nirgendwo, denn die Gegend ist in allen Himmelsrichtungen vor allem durch karge Einöde geprägt. Die Daseinsberechtigung von Calafate beruht in erster Linie auf dem Tourismus. Fast alle Gebäude der Stadt machen den Reisenden das Leben angenehm. Hotels, Restaurants, Tourenanbieter und Souvenirtempel soweit das Auge reicht. Der Zweck der Stadt spiegelt sich leider auch in den Preisen wider, die ein ganz anderes Bild als noch in Bariloche zeichnen. Ganz allgemein gibt es drei gute Gründe, hier Halt zu machen und alle treffen auch auf mich zu:

1
Es gibt einen Flughafen Und der verbindet diese dünn besiedelte Region per Direktflug in viele Städte Argentiniens
2
Straßenverbindung in weitere Ziele der Region Von hieraus gibt es gute Busverbindungen nach Chaltén und zum Torres del Paine Nationalpark
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Und das wichtigste: der Perito Moreno Gletscher Einer der bekanntesten Gletscherausläufer des großen Eisfeldes zwischen Argentinien und Chile und auch für mich ein Riesen Highlight

Calafate befindet sich, genau wie Chalten, im Los Glacieres Nationalpark. Und dieser hat seinen Namen redlich verdient, denn Patagonien ist das Zuhause des größten Eisfeldes der südlichen Hemisphäre – dem Campo de Hielo Sur (Antarktis ausgeschlossen). Es erstreckt sich über 350km von Nord nach Süd und einer Fläche von etwa 13.000 km² könnte es fast ganz Schleswig Holstein mit ewigem Eis bedecken.

Über die gesamte Länge bildet des Feld zahlreiche Gletscher, die sich zwischen den Hügeln der Anden hindurch schieben und die Landschaft maßgeblich prägen. Im westlichen Teil fließen die meisten in die Ausläufer des Pazifik ab während durch sie im östlichen Teil viele von den vor allem bei Wanderern so beliebten andinen Bergseen bilden.

Panorama des Perito Moreno Gletschers

Trivia: 97,5% des weltweiten Wasservorkommens sind Salzwasser. Lediglich knappe 2,5% bilden das für uns lebensnotwendige Süßwasser. Der größte Teil der weltweiten Süßwasserverräte wird mit etwa 70% durch Eis und Gletscher gespeichert – der Rest sind Grundwasser und Seen.
Das Campo de Hielo Sur ist auch der größte Süßwasserspeicher Südamerikas.

Was liegt wo

Meine Unterkunft: I Keu Ken

An und für sich ein gemütliches Haus mit großem Wohnzimmer und Kamin, der in erste Linie zum Grillen größerer Fleischbatzen der Hausgäste genutzt wird. Alles ist sauber und funktional, wäre da nicht dieses eine große Manko: die obere Ebene der Doppelstockbetten ist enorm niedrig angebracht. Ständig stoße ich mir den Kopf und bin kurz davor, mir im Fahrradladen auf der Hauptstraße einen Helm auszuleihen.

Platz im Mehrbettzimmer inkl. Frühstück ab 650 AR$.

Perito Moreno Gletscher

Blick auf den Gletscher von der Nordplattform

Der Perito Moreno Gletscher ist einer der markantesten und auch bekanntesten Gletscher Patagoniens. Er schiebt sich durch einen schmalen Auslass der Anden in den Lago Argentino, den größten See Argentiniens. Dabei durchquert die Gletscherzunge den See von einem Ufer zum Anderen über eine lange von mehr als 2 km. Oberhalb der Wasserlinie ist eine imposante Front 55-70 m hohen Eises sichtbar, doch bekanntermaßen schlummert der wesentliche Teil eines Eisberges unterhalb der Oberfläche. Trotz des bis zu 160m tiefen Sees schwimmt der Gletscher an keiner Stelle und fungiert so wie eine natürliche Staumauer.

Dabei wird ein Teil des Sees über mehrere Jahre angestaut und der Wasserspiegel steigt in diesem Teil um bis zu 10 m. Wird der Wasserdruck zu groß, durchbricht er das Gletschereis sodass sich der See periodisch ausgleichen kann.

Trivia: Benannt wurde der Gletscher (wie auch viele Hauptstraßen in der ganzen Region) nach dem argentinischen Geografen Francisco Moreno. Dieser hat auf zahlreichen Expeditionen vor allem die Flora und Fauna Patagoniens studiert.
Zuvor wurde er übrigens durch seinen Deutschen Entdecker Bismarck-Gletscher genannt.

Hier erreicht der Gletscher das andere Ufer des Sees

Der Gletscher liegt etwa 80 km westlich der Stadt Calafate, an der Grenze zu Chile. Ein Bus holt mich an meinem Hostel ab und nun geht es für etwas mehr als eine Stunde durch Niemandsland, bevor wir den Eingang zum Nationalpark erreichen. Der Eintritt kostet 800 AR$ was ich für übertrieben viel halte. Denn immerhin ist der Gletscher der einzige Grund, warum sich überhaupt Touristen nach Calafate verirren und bereits entsprechend viel Geld in dem überteuerten Ort lassen.

Kurz darauf kommen wir am Ziel an und es gibt hier verschiedene Möglichkeiten, dem Gletscher näher zu kommen:

1
Entlang der Aussichtsplattformen Mehrere Plattformen sind über Stege miteinander verbunden und eröffnen verschiedene Sichten auf den Gletscher
2
Mit dem Boot Stündlich fahren Boote sowohl entlang der nördlichen, als auch südlichen Flanke der Gletscherzunge
3
Mit dem Kayak Aus eigener Muskelkraft kann man in geführten Touren entlang der Nordflanke paddeln
4
Gletscherwanderung Sowohl als Kurz- als auch Tagesausflug. Mit Steigeisen geht es mit einer geführten Tour auf den Gletscher

Ich Entscheide mich für einen Mix aus Bootstour und Aussichtsplattformen. Zunächst fährt man mit dem Boot nah an die Gletscherwand und ich bin von der schieren Größe der Eisfront beeindruckt. Aus nächster Nähe lässt sich das Relief, welches das Eis durch seine Wachstumsschübe bildet, besonders gut beobachten. Seine gezackte Silhouette erinnert ein wenig an die Schiessscharten einer Burgmauer, finde ich.

Doch um die Größe besser einschätzen zu können, braucht der Mensch immer einen Maßstab. Glücklicherweise zieht kurze Zeit später eine Gruppe Kajakfahrer an uns vorbei – noch viel Näher an der Gletscherwand als wir es sind.

Die wilde Silhouette des Gletschers
Mit dem Kajak durch den Lago Argentino am Perito Moreno Gletscher

Nach der Bootstour geht es für mich entlang der Holzstege zu den Aussichtsplattformen. Es gibt hier im Prinzip drei Rundwege mit verschiedenen Zielen. Zum einen direkt ab der Bootshaltestelle, sodass man entlang der Nordflanke bis hin zur Spitze der Gletscherzunge läuft. Ab dort führt der obere Rundweg über mehrere Ebenen zu den Aussichtsplattformen, die den besten Überblick über den Gletscher geben. Zu guter Letzt führt der untere Rundweg einen fast bis an den Strand des Sees und ganz nah an die Front heran.

Alle Wege bieten neue spannende Perspektiven und man braucht etwa 2-3h um alle Plattformen abzulaufen.

Am unteren Rundweg: Ja, bei der gigantischen Fassade kommt man gerne ins Staunen!

Ein wahres Spektakel ist auch die Geräuschkulisse. Denn während meines gesamten Besuches kracht und knackt es quasi ununterbrochen. Immer wieder gibt es einen lauten Donner und es lösen sich Teile des Gletschers von der Zunge ab und fallen mit lautem Getose ins Wasser – der Gletscher kalbt. Für eine Weile setze ich mich an der Nordplattform hin und beobachte das Treiben. Zu einem Zeitpunkt habe ich Glück und es bricht eine Flanke über die gesamte Höhe des Gletschers ab und fällt der Länge nach in den Lago Argentino. Es ist ein Anblick wie bei einer Folge Terra X – so beeindruckend, dass es von den Besuchern auf den Plattformen tosenden Applaus gibt. Plötzlich fühlt es sich so an, als wäre der Ferienflieger gerade auf Mallorca gelandet. Einige rufen sogar „bravo“, als würde der Gletscher sich heute besonders viel Mühe zur Unterhaltung der Menge geben.

Da der Schall erst mit gewisser Verzögerung zum Eigentlichen Geschehen ankommt, schaffe ich es leider nicht ein Video zu machen.

Immer wieder kalbt der Gletscher

Trivia: Es ist im übrigen ganz normal, das Gletscher kalben. Das liegt vor allem an Spannungen im Inneren des Eises, welche durch die Beschaffenheit des Geländes und insbesondere durch Temperaturschwankungen hervorgerufen werden. Der Perito Moreno kalbt jährlich an einer Stelle fast 800 m – und ist dennoch einer der Gletscher, die sich nicht zurückziehen sondern über einen stabilen Nachschub an Schnee und Eis verfügen.

Kosten: ab 1.200 AR$ für den Bus + 800 AR$ Eintritt + 1.000 AR$ für die Bootstour
Dauer: ca. 8 h in Summe
Hinweis: Bus und Eintritt bekommt man auch zur Hauptsaison noch spontan. Bootstouren oder Gletscherwanderungen müssen teils über Wochen im Voraus gebucht werden. Die Wanderungen kosten ab 150 USD für die kleine bzw. 300 USD für die Tagestour.

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