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Die Gassen des Shah-i-Zinda Komplexes

Nach zwei sehr entspannten Tagen in Taschkent ging es endlich ans Eingemachte – ich fuhr nach Samarkand um das zu sehen, weshalb ich ursprünglich überhaupt Usbekistan auf dem Schirm hatte: opulente Baudenkmäler in allen Formen, Größen und Farben. Seit ich meine Flüge für diese Reise im Frühjahr gebucht hatte, war ich schon voller Vorfreude auf eine der architektonisch vermutlich reichsten Städte der Islamischen Welt: Samarkand!

„Getrocknet honigsüße Früchte
Von Bukhara, dem Sonnenland,
Und tausend liebliche Gedichte
Auf Seidenblatt von Samarkand.“

Dient als Bewerbung als Nachfolge im Literarischen Quartett: ein Auszug aus Goethes fernöstlichem Divan

Früh um 8 Uhr (nach Urlaubsmaßstäben quasi mitten in der Nacht, Anmerkung d. Redaktion) ging es mit der Eisenbahn von Taschkent nach Samarkand. Und was für eine Qualität von Zug kann man in diesem Teil der Welt erwarten?
Richtig, einen hochmodernen Schnellzug!
Der Afrosiyob, dessen Frontpartie dezent an Enten erinnert, legt die 340km Strecke in etwa 2h zurück. Ein Ticket erster Klasse im VIP Abteil kostet etwa 15€.

Übrigens hat der Afrosiyob nichts mit einer ähnlich lautenden Frisur zu tun

Zugreisen in Usbekistan sind übrigens super entspannt – das schlauchförmige Land hat im Prinzip nur eine geradlinige Streckenführung: von Taschkent nach Khiva und wieder zurück (kleinere Nebenabschnitte ausgeschlossen).

Daher gibt es jeweils nur einen einzigen Zug am Bahnhof und auch nur wenige Leute und keinen Tumult. Auch ist eine Sitzplatzreservierung immer mit inbegriffen – einen Kampf um einen der renovierungsbedürftigen Sitzgelegenheiten gibt es also nicht!

Und das waren meine zwei Tage in Samarkand

Zunächst mache ich mich auf den Weg zum Gur-e-Amir. Was sich anhört wie das Geräusch, welches Tauben von sich geben, bedeutet eigentlich „Grab“ – und es handelt sich hier um das Mausoleum des Amir Timur höchstpersönlich!

Ich bin beeindruckt von der gerippten Kuppel, die den Hauptsaal mit den Gräbern Timurs (und einigen Familienmitgliedern) überkront. Der Grabaal selbst ist reich mit Blattgold verziert und die Abdeckung des Grabes von Timur ist nichts Minderes als ein großer Block Jade.

Das Mausoleum des Amir Timur (Gur-e Amir) ist vor allem zur Abendsonne ein schöner Anblick!

Zweierlei Dinge kann ich mir in Asien stets sicher sein. Zum einen sind alle Einheimischen kleiner als ich und zum anderen deren Aufmerksamkeit. Vor allem Kinder sind immer wieder neugierig, da ihnen das europäische Antlitz nicht alle Tage vor die Augen kommt.

Zeit für eine Fotosession einplanen!

Als ich also vor dem Mausoleum auf einer Parkbank im Schatten eine kleine Pause einlegte kam eine Schulklasse an mir vorbei. Und selbstverständlich brauchte jedes der Kinder ein Selfie mit mir fürs Poesiealbum (ja, auch hier haben die ganz kleinen schon Handys)!

Ihre Lehrerin hat das natürlich ermutigt.

Und so verbrachte ich sicher Stunde damit, für Fotos zu lächeln und mit den Kleinen etwas Englisch zu üben. Und da ich ja ein großer Freund von Gleichberechtigung bin, wollte ich natürlich auch eine Erinnerung haben

Hätte ich Facebook, wäre das sicher mein Profilbild.

Am nächsten Morgen ging es zum bekanntesten Denkmal der Stand: dem Registan. Was zu deutsch „sandiger Platz“ heißt, ist ein Ensemble aus drei großen Medressen aus verschiedenen Jahrhunderten um einen öffentlichen Platz herum. Letzterer diente über die Jahrhunderte übrigens sowohl als zentraler Basar, als auch als zentraler Ort für öffentliche Hinrichtungen – da ist für jeden Geschmack was dabei.

Die drei Medressen unterscheiden sich nicht nur im Alter, sondern auch maßgeblich im Baustil. Mit Turm und Kuppeln – mit Turm aber ohne Kuppel – mit Kuppel aber ohne Türme.

Der Registan-Platz mit seinen drei Medressen ist das Zentrum Samarkands

Die älteste unter ihnen ist die Ulugh Beg Medresse aus dem frühen 15. Jh. wurde von Khan Ulugh Beg errichtet – einem wichtigen Gelehrten und Nachfahre des Amir Timur. Sie galt zu ihrer Zeit als eine der angesehensten Universitäten der gesamten muslimischen Welt!

Trivia: Khan Ulugh Beg berechnete bereits im 15. Jahrhunderts das astronomische Jahr auf 365 Tage + 6 Stunden + 8 Sekunden. Damit lag er um nur 58 Sekunden im Vergleich zum heutigen Wert daneben!

Die Tilya Kori und die Sher-Dor Medressen kamen im 16. Jahrhundert dazu. Das Besondere an der Sher-Dor sind die Abbildungen von Menschen und Tieren, Tiger auf der Jagd wachen über das Eingangsportal zu jeder Seite. Dies ist eigentlich im Islam unerwünscht und daher auch äußerst selten zu finden!

Die feinen Mosaike mit den Tigerabbildungen auf der Sher-Dor Medresse
Ein wenig ärgerlich..

.. fand ich die Tatsache, dass auch innerhalb der Medressen einige der ehemaligen Schulungs- und Wohnräume zu Shops ausgebaut wurden.

Der Registan ist einer der bedeutendsten Plätze sowohl in der Geschichte als auch in der Gegenwart des Landes. Auf mich wirkten Verkaufsstände mit Instrumenten, Teppichen und Cola daher etwas respektlos dem Denkmal und seinem Erbe gegenüber.

Daher mein Tipp: kommt früh am Morgen. Zwar öffnet der Platz seine Pforten (also das Absperrband) ab 8 Uhr, jedoch kann man auch früher eintreten. Dafür gibt man einfach dem Wachmann die gleiche Summe, die sonst der Ticketschalter bekommen hätte und dieser gewährt einem daraufhin Einlass. So hat man den Ort noch nahezu für sich allein, da die Shops erst gegen 9 Uhr so langsam aufgebaut werden um für den Ansturm der Reisebusse gegen 10 Uhr gewappnet zu sein.

Die Decke der Tilda-Kori Medresse im Registan

Übrigens lohnt ein Besuch übrigens auch am Abend.

Angeblich gibt es ab 22 Uhr eine Sound & Light Show zu bestaunen. Nachdem ich allerdings vergebens bis Mitternacht auf deren Start gewartet hatte, ging es, auch in Ermangelung eines Bierwagens, leider ohne Show zurück zum Hostel.

Daher noch ein Bild bei Nacht
Startschwierigkeiten

Der nächste Tag begann leicht verkatert doch etwas später. Ich musste noch mein Zugticket nach Bukhara für den Folgetag buchen und mich beim Hostel über die viel zu unbequeme Matratze meines Bettes beschweren.

Diese schien ausschließlich aus mehreren Sperrholzplatten zu bestehen – genau die Mischung aus hart und federnd, die ich absolut nicht mag.

Als ich es dann doch mal geschafft hatte mir eine Hose anzuziehen ging es zur Shah-i-Zinda Nekropole.

Der Komplex an Mausoleen wurde seit dem 11. Jahrhundert erbaut und besteht heute aus über 20 prunkvollen Gebäuden. Einer Legende nach ist hier auch ein Cousin des Propheten Mohammed begraben, nachdem er während der islamischen Invasion zur religiösen Bekehrung ums Leben kam (Klassiker für diese Epoche – die gewaltsame Missionierung).

Die Shah-i-Zinda Nekropole mit ihren endlosen Kuppeln ist mein absolutes Highlight.

Weiter ging es zur Bibi-Khanum Moschee.

Sie wurde um 1400 auf Befehl Timurs erbaut und sollte seine Macht demonstrieren. Also ließ er seine Architekten die Grenzen der Statik ausreizen und so war sie während des 15. Jahrhunderts die größte und prunkvollste Moschee der islamischen Welt.

Doch wie so häufig hieß es auch hier wieder: wer hoch hinaus will kann tief fallen. Denn in einem erdbebengefährdeten Gebiet sind solche Bauten schnell ein Opfer der Naturgewalten. Schnell fing die Moschee an zu Bröckeln und keine Renovierung konnte dem Verfall Einhalt gebieten.

Dennoch sind die gigantischen Überreste auch Heute noch einen Besuch wert!

Auf dem Weg zur Bibi-Khanum Moschee - Sie war im 15. Jahrhundert eine der größten und prunkvollsten der Welt!
Ein wichtiges Stück Heimat

Ein besonderes Schmankerl wartete zum Ende des Tages. In der Nähe des Hotels trafen wir uns mit einer Gruppe Reisenden in einem Biergarten & Grill Namens „Altstadt“.

Hier gab es nicht nur tolle Kebabs vom Grill, sondern auch das hauseigene und namengleiche Bier aus gekühlten Gläsern. Nachdem mir in Taschkent schon die deutschsprachigen Biernamen (Bamberger, Buchinger) aufgefallen sind, war mir jetzt alles klar:

Deutschland gilt als Qualitätsmaß für Bier! Und hey, welch größere Ehre könnte einer Nation denn zu Teil werden, als diese?

Der Humpen kostet hier nur 5000 S’om, also weniger als 60 Cent!

Mir haben die fast 3 Tage in Samarkand wirklich sehr gut gefallen. Die Sehenswürdigkeiten haben mich trotz der touristischen Nuancen nicht enttäuscht und ich habe mit meiner kleinen Reisegruppe die Speise- und Getränkekarten der Stadt erkunden können.

Die Dimensionen sind unglaublich!
Kleine Fotosession gefällig?
Die Gartenanlagen rings um den Registan sind der Hammer
Mosaik einer Nekropole des Shah-i-Zinda Komplexes
Man kann gar nicht genügend betonen, wie schön der Registan ist.
Der goldene Schimmer im Mausoleum

Weiter geht’s

Für diejenigen die wie ich von Westen kommend durch Usbekistan reisen, ist Bukhara der nächste Halt entlang der wichtigsten Sehenswürdigkeiten des Landes. Alternativ geht es in die andere Richtung weiter nach Taschkent, die betondominierte und absolut charmante Hauptstadt des Landes.

Die Reiterstatue des Amir Timur
Der Innenhof der Kalan-Moschee

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